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Mängel am Haus erkennen


Für Bauherren als bautechnische Laien ist es oft schwierig, zu erkennen, ob das vom Bauunternehmer errichtete Haus Mängel aufweist. Hier finden Sie einige Beispiele aus meiner anwaltlichen Praxis, die Ihnen helfen, Mängel an Ihrem eigenen Haus zu erkennen.

Hinweis:
Ich weise darauf hin, dass ich selbst zwar Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht bin, aber als solcher nur eine juristische und keine technische Ausbildung habe. Die nachstehenden Ausführungen sind ohne Gewähr und sollen Ihnen lediglich Denkanstöße bieten. Falls Sie sicher gehen wollen, ob in Ihrem Haus tatsächlich objektiv Mängel vorliegen, sollten Sie die Mängel von einem Bautechniker oder Sachverständigen in Augenschein nehmen zu lassen.


Rohbau: Mörtelschlag auf Hohllochziegeln

Wenn Ihre Außenwände mit so genannten Hohllochsteinen (z.B. Poroton-Ziegeln) erstellt wurden, muss die so genannte Mauerwerkskrone, d.h. der obere Abschluss des Mauerwerks, abgedichtet werden. Eine solche Abdichtung wird meist durch einen so genannten Mörtelschlag vorgenommen, d.h. die Löcher des Hohllochziegels werden verschlossen, indem ein sehr zähflüssiger Mörtel aufgebracht wird.

Dies entspricht den anerkannten Regeln der Technik.

Die Hohllochsteine sind so übereinander gemauert, dass die einzelnen Löcher der Steine vertikal miteinander verbunden sind. Durch das Beheizen des Hauses erwärmen sich auch die Außenwände. Warme Luft steigt auf. Dies führt dazu, dass sich in den Kammern der Hohllochziegel der Außenwände Warme Luft befindet, die das Bestreben hat, nach oben aufzusteigen. Wenn die Hohllochziegel am oberen Ende der Wand (an der Mauerwerkskrone oder auch unter den Fensterbrettern) nicht mit einem Mörtelschlag oder auf sonstige geeignete Weise luftdicht abgedichtet sind, entweicht an dieser oberen Stelle die erwärmte Luft nach draußen und die Außenwand kühlt aus. Hierdurch würde Heizenergie verschwendet.

Achten Sie daher schon unmittelbar bei der Erstellung des Rohbaus darauf, dass die Mauerwerkskronen entsprechend abgedichtet werden. Weisen Sie Ihren Bauunternehmer notfalls rechtzeitig während der Bauausführung darauf hin. Leider hat sich diese anerkannte Regel der Technik noch nicht bei jedem Bauunternehmen herumgesprochen.

Falls Ihr Bauunternehmer das Gebäude gleichwohl ohne eine solche obere Abdichtung erstellt, machen Sie zu Beweiszwecken rechtzeitig Fotos.

Die Mauerwerkskronen befinden sich oben am Haus zumeist unter der Schnittkante zum Dach. Bitte beachten Sie, dass über denjenigen Bereichen, unter denen sich bereits Abdichtungen durch andere Bauwerke (z.B. durch einen kurz darunter befindlichen Fenstersturz) vorhanden sind, ein solcher Mörtelschlag nicht unbedingt erforderlich ist.

Eine Abdichtung der Hohllochsteine ist z.B. aber auch unter Außenfensterbänken notwendig, zumindest, wenn es sich um dünnwandige Fensterbänke aus Stahlblech oder Kunststoff handelt.

Dickwandige Stein- oder Marmoraußenfesterbänke reichen als Abdichtung aus, wenn sie ordnungsgemäß mit dem Mauerwerk verklebt und verbunden wurden und ersetzen den Mörtelschlag.


Rohbau: Sind die Rohbaumaße richtig?

Vergleichen Sie, sobald der Rohbau fertig gestellt ist, die Maße am Bau mit den in den Bauplänen Ihrer Baugenehmigung angegebenen Maßen.

Vergleichen Sie auch, ob das Außenmaß Ihres Hauses richtig ist und überprüfen Sie die Maße der Fenster- und Türöffnungen.

Auf Bauplänen (Grundrissen) stehen neben einem Fenster oder einer Tür oft durch einen Bruchstrich von einander getrennte Zahlen, z.B.:
Erläuterung:
0,87 0,87 m Breite
2,01 2,01 m Höhe

Es handelt sich um die Angabe der Höhe und Breite des Rohbaumaßes (ohne Türzarge oder Fensterrahmen) der betreffenden Gebäudeöffnung.

Oben über dem Strich steht immer die Breite und unter dme Strich die Höhe der öffnung (jeweils Rohbaumaß). Im obigen Beispiel handelt es sich also um eine Türöffnung von 0,87 m Breite und 2,01 m Höhe.


Dachstuhl: Kehlbalken dürfen nicht aufliegen

Kehlbalken dürfen nicht auf nichttragenden Wänden aufliegen.

Kehlbalken sind die dicken "Deckenbalken", die beim einem Dachboden den Fußbodenaufbau des Dachbodenraumes tragen. Sie verlaufen quer zur Firstpfette von einem Dachsparren zum gegenüberliegenden Dachsparren.

Zwischen ihnen und dem Mauerwerk der nichttragenden Wand muss stets ein Luftspalt sein. Sonst kann es in der darunter liegenden nichttragenden Wand zu Rissen kommen.


Dachstuhl: Firstlasche muss bündig anliegen

Wenn Sie einen Dachstuhl haben, der als Satteldach oder Krüppelwalmdach ausgebildet ist, werden Sie dort so genannte Firstlaschen finden.

Direkt unter der Firstpfette befinden sich waagerechte Balken, die von einem Dachsparren zum anderen verlaufen. Diese heißen "Firstlaschen". Zwischen der Oberkante der Firstlasche und der Unterkante der Firstpfette darf kein Luftspalt sein. Die Firstlaschen müssen aus statischen Gründen bündig unter der Firstpfette anliegen.


Tropfkanten an Außenfensterbänken

Außenfensterbänke dienen dazu, die Außenwand eines Gebäudes vor Regen und Witterungseinflüssen zu schützen. Regenwasser soll abgeleitet werden.

Wegen der Adhäsionskraft des Wassers haben Regenwassertropfen die Eigenschaft, unten an der Unterkante einer Fensterbank "um die Ecke herum" zu laufen und dann wieder zur Hauswand zurückzufließen. Um dies zu verhindern, muss jede Fensterbank eine Tropfkante oder eine unterhalb der Fensterbank eingefräste Nut haben, an der die Regentropfen abtropfen können.

Dies entspricht den anerkannten Regeln der Technik. Wenn an der Unterkante Ihrer Außenfensterbank eine Tropfkante oder eine Nut fehlt, stellt dies einen Mangel dar.


Fliesen: Dreiflankenhaftung

Dieses Problem betrifft vor allem Badezimmer, bei denen nicht nur der Fußboden, sondern auch die Wände gefliest sind.

Die Schnittkante zwischen dem gefliesten Fußboden und der gefliesten Wand ist als Dehnfuge mit Silikon zu verschließen. Hierbei wird vom Fliesenleger manchmal unsauber gearbeitet,l was zu einer sogen. Dreiflankenhaftung führt.

Eine Dreiflankenhaftung bei Dehnfugen muss vermieden werden, da es sonst zu Rissen in den Fliesen kommen kann. Die Dehnfugen vor dem aufbringen von Silikon mit Fugenhinterfüllmaterial (z.B. Schaumstoffschnüren oder Folienstreifen) fachgerecht zu verfüllen.

Regel:
Der mit Silikon ausgefüllte vordere Teil der Fuge darf nicht tiefer sein, als die Fuge breit ist (besser: 2/3-Regel).

Dass heißt, dass z.B. bei einer Fugenbreite von 3 mm die Fuge maximal 3 mm tief mit Silikon ausgespritzt werden darf, um eine fast lastfreie Kraftaufnahme zu gewährleisten. Das Silikon darf nur die beiden Kanten der zu verfugenden Fliesen berühren und darf keinesfalls auch zugleich den Untergrund mit berühren (= Dreiflankenhaftung).


Fliesen: Randdämmstreifen nicht abschneiden

Die meisten Einfamilienhäuser und auch viele andere Gebäude erhalten als Fußbodenaufbau einen schwimmend verlegten Fußbodenestrich. Bevor der Estrich eingebracht wird, werden in allen Zimmern an der Wand entlang so genannte Randdämmstreifen angebracht. Es handelt sich hierbei um ca. 10 cm bis 15 cm breite und 5 mm bis 8mm dicke Schaumstoffstreifen, zumeist in blauer oder weiße Farbe, die auf einer Rolle geliefert werden.

Nachdem Einbringen des Estrichs schauen die oberen Kanten dieser Randdämmstreifen zwischen den Innenwänden und dem Estrich hervor, sie stehen in der Regel einige Zentimeter über.

Kontrollieren Sie zunächst, ob dies in allen Wandbereichen der Fall ist. Es darf keine Stelle geben, an der der Randdämmstreifen fehlt. Der Estrich darf darf an keiner Stelle unmittelbar an die Zimmerwand heranreichen.

Sollte Ihnen eine Stelle auffallen, an der der Estrich bis an die Zimmerwand herangeflossen ist, machen Sie Ihrem Bauunternehmer darauf aufmerksam und lassen Sie diesen Mangel beseitigen.

Oftmals werden diese Randdämmstreifen von Mitarbeitern des Bauunternehmens bündig unmittelbar entlang der Oberkante des Estrichs abgeschnitten. Besonders dann, wenn auf dem Estrich ein Fliesenbelag aufgebracht werden soll, ist dies unzulässig.

Es entspricht den anerkannten Regeln der Technik, dass der Fliesenbelag nicht unmittelbar mit der Zimmerwand in Verbindung steht. Es muss also zuerst der Fußboden-Fliesenbelag aufgebracht werden und dieser sollte bis an den stehen gelassenen Randdämmstreifen heranreichen. Erst dann ist jener Randdämmstreifen bündig entlang der Oberkante des Fußbodenfliesenbelags abzuschneiden.

Danach kann oberhalb des abgeschnittenen Randdämmstreifens der Fliesenleger die Fliesensockel verlegen.

Wenn dies nicht beachtet wird, kann es zu Rissen im Fliesenbelag kommen.

Darüber hinaus erzeugt ein unmittelbar bis an die Wand heranreichender Fliesenbelag unerwünschte Schallübertragungen. Der Trittschall des Fußbodens wird über die Wände des Gebäudes in benachbarte Räume übertragen. Dies ist besonders bei Reihenhäusern und bei Eigentumswohnungen zu beachten, da es für solche Objekte besondere DIN-Normen für den Schallschutz gibt.

Aber auch bei allen anderen Bauvorhaben würde das vorzeitige Abschneiden der Randdämmstreifen und das Heranführen des Fliesenbelages bis an die Zimmerwand den anerkannten Regeln der Technik widersprechen.






Hinweis:
Der Verfasser dieser Homepage ist zwar Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht, hat aber als solcher nur eine juristische und keine technische Ausbildung. Die vorliegenden Ausführungen sind ohne Gewähr und sollen Ihnen lediglich Denkanstöße bieten. Falls Sie sicher gehen wollen, ob in Ihrem Haus tatsächlich objektiv Mängel vorliegen, sollten Sie die Mängel von einem Bautechniker oder Sachverständigen in Augenschein nehmen lassen. Die Inhalte und Texte auf dieser Homepage dienen nur der allgemeinen Information. Jeder Rechtsfall ist anders gelagert. Der Inhalt dieser Homepage kann keinen rechtlichen Rat im Einzelfall ersetzen. Alle Angaben und Tipps erfolgen ohne Gewähr.


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