Head

Ausreden am Bau

Nr. 1:
"Das guckt sich weg! In einem halben Jahr sehen Sie das nicht mehr. Das ist reine Gewöhnungssache!"

Nr. 2:
"Mängelbeseitigung? Wir geben doch 5 Jahre Gewährleistung! Das machen wir am Schluss mit weg!"

(Rechtlich nicht haltbar und bei unveränderbaren Mängeln auch nicht nachvollziehbar. Bei Mängeln wie z.B. Putzrissen, die erst nach einer Weile zur Ruhe kommen, wenn sich das Gebäude gesetzt hat, verstehe ich aber den Wunsch eines Bauunternehmers, mit der Beseitigung der Risse noch zu warten, durchaus. Bei einer zu raschen Beseitigung könnte es sein, dass dieselbe Stelle noch ein weiteres Mal nachbearbeitet werden müsste. Wenn es eindeutig Setzungserschenungen sind, die noch in Bewegung sind (Gipsmarke setzen!) sollte sich der Bauunternehmer vorübergehend auf Unverhältnismäßigkeit gemäß § 635 Abs. III BGB berufen und eine Sicherheit anbieten. )

Nr. 3:
"Das machen wir sonst natürlich nicht so; das geschah auf besonderen Wunsch des Bauherren!"

(Der Auftragnehmer muss den Bauherren vor Ausführung der Arbeiten umfassend aufklären und beraten. Hier hätte er Bedenken anmelden müssen – beim VOB/B-Vertrag zwingend schriftlich. Unterlässt er das, haftet er für Mängel auch dann, wenn die Art der Ausführung dem Wunsch des Bauherren entsprach, aber gleichwohl nicht fachgerecht / mangelhaft ist.)

Nr. 4:
"Eine Dampfsperre muss nicht penibel verklebt sein - die ist doch sowieso diffusionsoffen!"

(Bei Dampfsperren, die – wie in den allermeisten Fällen – zugleich auch der Herstellung der Luftdichtigkeitsebene dienen, ist eine solche Argumentation barer Unsinn.)

Nr. 5:
“Wir? Unseren Müll wegmachen? Steht das denn im Leistungsverzeichnis?“

(Den Unterschied zwischen einem guten und einem weniger guten Handwerksbetrieb erkennt man auch an solchen Nebensächlichkeiten. Bei der einen Firma würden sich die Mitarbeiter schämen (ganz von selbst!), wenn sie den Arbeitsplatz nicht sauber zurück ließen und es gibt andere Firmen, da muss man als Auftraggeber sogar noch darüber diskutieren.)

Nr. 6:
"Vorkomprimiertes Dichtungsband benutzt kein Mensch! Das ist wieder so eine Abzocke von der Bauprodukteindustrie!"

(Diese Ausrede stammt aus dem Jahr 2006. Aber auch damals gehörte Kompriband für Fensterbauer schon lange zum Standard)

Nr. 7:
"Das ist kein Mangel. Das machen wir schon seit 20 Jahren so!"

Nr. 8:
"Das hat wohl unser Azubi vergessen, einzupacken!"

Nr. 9:
"Das Überbindemaß muss man nicht so genau einhalten. Das hält alles in sich!"

(Mauersteine müssen immer versetzt zu den Steinen der darunterliegenden Steinlage angebracht werden. Das nennt man Mauern im Verband. Das Überbindemaß bestimmt, um wieviel ein Stein gegenüber dem darunterliegenden Stein versetzt sein muss. Nach DIN 1053-1 muss das Überbindemaß 40 % der Steinhöhe, mindestens aber 4,5 cm betragen.)

Nr. 10:
"Optischer Mangel? Da kniet sich doch nie einer hin!"

Nr. 11:
“Wenn man die EnEV (Energieeinsparverordnung) ein hält, erstickt man doch im Haus!“

Nr. 12:
"Heut zu Tage wird sowieso kaum noch gebadet."

(Ausrede eines Heizungs- und Sanitärinstallateurs, als die Warmwassermenge der von ihm geplanten und eingebauten Heizungsanlage nicht ausreichte, um ein Vollbad zu nehmen.

Nr. 13:
"Das wird schon noch. Das muss sich erst setzen!"

Nr. 14:
"Keine Angst, da kommt noch Silikon hin!"

Nr. 15:
"Gipskartonwände verspachteln? Müssen wir nicht. Das zählt zur Malerleistung des Bauherren!"

(Eine beliebte Ausrede von Hausbaufirmen, wenn die Bauherren die Malerarbeiten als Eigenleistung übernommen haben. Wer schon einmal Gipskartonwände in Eigenleistung verspachtelt hat, weiß, was für eine Heidenarbeit das ist. Deshalb sollten Sie sich nicht von so einer faulen Ausrede irritieren lassen. Das Verspachteln der Gipskartonplatten zählt nämlich zum Trockenbau und nicht zum Malergewerk und ist deshalb – sofern im Bauvertrag nichts anderes vereinbart wurde – auch von der Hausbaufirma auszuführen.)

Nr. 16:
"Das hätten wir natürlich nie so gemacht, wenn es der Architekt nicht angeordnet hätte!"

(Wenn eine Bauausführung nicht den Regeln der Technik entspricht, muss der Bauunternehmer ungeachtet einer entsprechenden Anweisung des Architekten Bedenken gegenüber dem Bauherren anmelden.)

Nr. 17:
"Das Kontergefälle an der Dachrinne schadet nichts - das Wasser zieht sich raus!"

(Die Dachrinne hat einen Knick und auf einer Länge von 10 m fließt das Wasser nicht zum Fallrohr, sondern in die entgegengesetzte Richtung und staut sich dort. Mit seiner Ausrede knüpft der findige Unternehmer an das an, was er wohl schon einmal über die Oberflächenspannung der Wassermoleküle gehört hat, er überschätzt aber deren Wirkung. Wasser fließt nicht bergauf.)

Nr. 18:
"Das darf gar nicht dicht sein, das Haus muss doch atmen können!"

(Der Unternehmer, der diese Argumentation bemühte, war mit seinem Baufachwissen nicht ganz auf dem neusten Stand. Die Legende von den „atmenden Wänden“ geht zurück auf das Jahr 1878 => http://bit.ly/eqi3hj )

Nr. 19: Maler:
"D u n k e l braun wollten Sie haben? – Keine Angst, das dunkelt noch nach!"

(Es stimmt zwar, das sich Wandfarbe beim Abtrocknen noch etwas verändert. Wenn sich der Maler aber im kundenseits ausgewählten Farbton vergriffen hat, ist die Hoffnung, dass sich das durch Zeitablauf erledigt, meist nur ein frommer Wunsch.)

Nr. 20:
"Normalerweise ist das nicht üblich!“

Nr. 21:
“Die Bewohner sind doch sowieso schwerhörig.“

(Hier ging es um Schalldämmwerte von Zimmertüren in einem Seniorenpflegeheim.)

Nr. 22:
“Das mit dem unebenen Innenputz wird noch weggemacht. Das macht immer der Maler. Der kommt ja noch.“

Nr. 23:
“Stahlbeton oder Stahlfaserbeton - das macht doch keinen Unterschied!“

(Tatsächlich ist das durchaus ein großer Unterschied. Hier war Stahlfaserbeton ohne Bewehrung entgegen der Statik für eine Bodenplatte verwendet worden. Der Bauunternehmer hatte sich nicht einmal die Mühe gemacht, sich zu erkundigen, ob das, was er da verwendet, überhaupt eine bauaufsichtliche Zulassung hat.)

Nr. 24:
“Wenn wir Bedenken angemeldet hätten, hätten wir den Auftrag gar nicht erst bekommen!“

(Das glaube ich nicht. Wer vor Vertragsschluss fachkundig berät, gewinnt damit ganz automatisch das Vertrauen des Auftraggebers und wird auch den Auftrag erhalten. Der Preis einer Leistung ist gerade für viele private Kunden nicht der alleinbestimmende Faktor. Sie wollen fachkundigen Rat, einen freundlichen, zuverlässigen und kundenorientierten Vertragspartner und eine mangelfreie Ausführung.)

Nr. 25:
Poroton-Hochlochziegel an einigen Stellen mit horizontaler Lochrichtung in der Mauer eingebaut? – „Das hätte anders nicht gepasst!“

(Das ist allerdings kein Grund, die Ziegel krass entgegen den Herstellervorschriften zu vermauern. Für den Fall, dass etwas „nicht passt“ gibt es Steinsägen. Die Porotonziegel haben, wenn sie mit horizontaler Lochrichtung so eingebaut werden, allenfalls die Stabilität eines Styroporwürfels. Hochkant ist die Stabilität indes außerordentlich gut.)

Nr. 26:
“Ist ja nicht mein Haus!“

(Elektriker)

Nr. 27:
“Wir mussten konstruktionsbedingt statt des Betonringankers einen aus Holz nehmen. Dass das billiger war, ist Zufall.“

Nr. 28:
“Das haben wir extra so gemacht. Sieht doch gut aus, oder?“

Nr. 29:
“Das ging nicht anders. Ließ sich konstruktiv nicht anders bewerkstelligen.“

(Eine meiner Lieblings-Bau-Ausreden. Zwei kurze prägnate Sätze mit jeweils dem selben Inhalt, nur anders formuliert. Der Schöpfer dieser Ausrede verweist auf seine intellektuelle Überlegenheit im Bereich bautechnischen Wissens und unterstreicht diese dadurch, dass er den Fachbgriff „konstruktiv“ einfließen lässt. Geschickt vermeidet er es, zu begründen, warum sich das nicht anders bewerkstelligen lassen sollte, wohl in der Hoffnung, dass sein Gesprächspartner (der Bauherr) in diesem Punkt nicht weiter nachhakt.)

Nr. 30:
“Ich habe übersehen, dass in dem EnEV-Energiesparnachweis für das Pultdach eine 200 mm starke Styropordämmplatten EPS 035 vorgesehen waren. Ich dachte, 100 mm EPS 040 würden ausreichen.“

(Das war die Aussage eines Planers / Architekten, der die Vorgaben des Statikers aus dem Energiesparnachweis nicht beachtete, sondern einfach in seiner Genehmigungsplanung geringere Dämmplattenstärken festlegte.)

Nr. 31:
“Das hat unser Subunternehmer gemacht. Wenden Sie sich bitte an diesen.“

(Hier macht es sich der Bauunternehmer zu einfach. Er hat im Vertrag gegenüber dem Auftraggeber die Erbringung der Leistung versprochen und muss deshalb auch für die Mängel einstehen, die sein Subunternehmer verursacht. Er sollte aber den Sub postwendend fristsetzend zur Mängelbeseitigung auffordern (Einschreiben). Auf keinen Fall sollte er den Mangel selbst beseitigen, bevor jene Frist abgelaufen ist und bevor er bezüglich des Bestehens des Mangels gerichtsfeste Beweise gesichert hat, da er andernfalls von seinem Sub keinen Schadensersatz fordern kann.)

Nr. 32:
“Wir hatten nur den Auftrag, Risse zu verpressen. Dass das auch dicht sein soll, hat keiner gesagt.“

(Rissverpressung an einem Beton-Wasserbecken mit über 20 Rissen)

Nr. 33:
„Das hält alles in sich!“ (Maurer, der eine neue Innenwand nicht mit der vorhandenen Außenwand verbunden hat)

Nr. 34:
„Das ist doch kein Mangel, wenn an der Badewannen die Revisionsklappe fehlt. Wenn was ist, kommen wir vorbei, brechen die Fliesen auf der betreffenden Fläche gratis ab und fliesen neu.“

(Ehrlicher wäre es, zu sagen, ja, tut uns leid, da ist uns tatsächlich ein Fehler unterlaufen, aber wir hätten da einen Vorschlag ...)

Nr. 35:
Fensterbrüstung in 1,50 m Höhe? Maurer: „Was das soll, habe ich mich auch schon gefragt.“

(Hier hätte der Maurer den Fehler in den von seiner Baufirma erstellten Plänen ausbügeln können, wenn er einfach mal nachgefragt hätte, ob das seine Richigkeit hat, bevor er fröhlich drauflos mauert.)

Nr. 36:
„Nein, da zieht nichts – was Sie da spüren, ist bloß die Wärmeabstrahlung Ihrer Hand!“

Nr. 37:
"Der Anstrich ist wolkig? Ach, das verliert sich doch eh in der Höhe!" (4 m hohe Decke)

Nr. 38:
„Dass der Keller feucht ist, ist normal, sonst wäre es doch kein Keller!“

Nr. 39:
Warum wurden Vakuumdämmelemente einfach abgeschnitten?
„Die haben an den Fenstern übergestanden.“

(Vakuumdämmelemente sind geschlossene Fassaden-Dämmplatten, deren höhere Dämmwirkung dadurch erzielt wird, dass sich im Inneren ein Vakuum befindet. Wenn man sie beschädigt oder abschneidet, dringt Luft ein und die Dämmwirkung ist verloren.)

Nr. 40:
„Diese Plätze sind für Zuschauer mit Sehbehinderung. Die brauchen ohnehin keine gute Sicht.“
(Fußballstadion)

Nr. 41:
„Wir haben das in unseren letzten 150 Häusern so gemacht und noch nie hat das einer bemängelt!“

Nr. 42:
„Das waren wir nicht. Das war schon vorher kaputt!“

Nr. 43:
„Das bauen wir immer so. Nicht, dass Sie denken, wir haben bei Ihnen was vergessen!“

Nr. 44:
„Wir habe da extra keine Abdichtung angebracht, damit Sie es im Erdgeschoss an der Decke sofort sehen, wenn im Bad eine Undichtigkeit auftritt.“

Nr. 45:
"Da muss man nicht mehr rankommen. Das wartet sich von alleine." (Vergessene Wartungsklappe)

Nr. 46:
Ausrede eines Bauherren:
„Ich bezahle doch im Winter keine Solaranlage! Da kann ich ja gar nicht prüfen, ob sie auch funktioniert!“

Nr. 47:
Baumangel an der Fassade einer Stadtvilla (Neubau). An dem Wärmedämmverbundsystem (WDVS) zeichnen sich bei Regen die Stoßkanten der Dämmplatten ab. Ein gerichtlich bestellter Sachverständiger entnimmt zwei Probewürfel der Dämmung und stellt fest, dass die Putzstärken erheblich zu dünn sind.
Baufirma im Gerichtstermin:
„Die Stoßkanten der Dämmplatten zeichnen sich nur ab, weil die Bauherren nicht genug lüften!“




Diese Sammlung von Ausreden am Bau ist auf meiner Seite "Baurechtstipps" auf Twitter entstanden.
Wer sich meinen twitter-account mal anschauen möchte =>
http://twitter.com/Baurechtstipps





© Copyright: Anwaltskanzlei Wortmann
Jede gewerbliche Nutzung und/oder jede Veröffentlichung der Inhalte dieser Homepage
ist nur mit vorheriger schriftlicher Zustimmung der Anwaltskanzlei Wortmann gestattet.